Zum Inhalt

Gero Wollgarten Posts

Mit der Transsibirischen Eisenbahn von Perm nach Moskau

Planst du zufällig dieses Jahr nach Russland zu reisen, um ein WM-Spiel zu verfolgen? Hast du dir schon Gedanken über deine Anreise gemacht? Es ginge natürlich bequem per Flugzeug. Aber wenn du das Reiseerlebnis sucht, gibt es für dich auch eine Zugverbindung von Berlin über Warschau und Minsk nach Moskau. Angeboten wird die Verbindung von der russischen Staatsbahn RŽD (РЖД). Die 1.898 km lange Strecke schafft der Zug in ca. 20 Stunden. Einen Teil dieser Strecke bereise ich bald; von Berlin bis Minsk. Dorthin führt eine Studienreise mit dem Thema „Erinnerungskulturen zum 2. Weltkrieg und dem Holocaust: Belarus“. Eigentlich war die An- und Abreise per Nachtzug geplant. Leider gab es  eine Buchungspanne, sodass ich auf der Hinfahrt die Ehre habe die Strecke Berlin-Minsk per Linienbus zurückzulegen. Zum Ausgleich gibt es auf der Rückreise im Nachtzug sogar ein Abteil in der Ersten Klasse; das bedeutet ein 2er Abteil mit eigenem WC und Dusche. Ich bin sehr gespannt, ob es so komfortabel wie versprochen wird. Ich, als kleiner Bahnnerd, freue mich schon sehr auf die Tour, da der Zug an der weißrussisch-polnischen Grenze umgespurt werden muss, damit er auf der schmaleren europäischen Normalspur fahren kann.

Um euch einen Eindruck von Bahnreisen in Russland zu geben und mich selbst einzustimmen, teile ich heute die Bilder und Erlebnisse meiner letzten Reise mit euch! Letzten Sommer fuhr ich in 20 Stunden knapp 1.500 km von Perm nach Moskau mit dem Prestige-Zug „Rossija“ der Transsibirischen Eisenbahn, der mit den Zug-Nummern 1 und 2 auf der Strecke Moskau-Wladiwostok verkehrt.

Ausstellungsbesuch: „Ein unendliches Gedenken – Jüdisches Erbe und die Schoah in Ostgalizien“

Was bleibt übrig, wenn die gesamte Bevölkerung einer florierenden jüdischen Gemeinde ausgelöscht wird? Wie sehen diese Orte 75 Jahre später aus? Der amerikanisch-jüdische Künstler Jason Francisco hat sich dieser Frage gestellt und ist ins frühere Ostgalizien (heute West-Ukraine) gereist. Er hat die Orte des früheren jüdischen Lebens besucht und auch die der Schoah. Ehemalige Synagogen wurden zu Wohnhäusern, Friedhöfe zu Sportplätzen. Konzentrationslager sind heute Gefängnisse. Erschießungsorte mit Massengräbern liegen vergessen und nicht gekennzeichnet im Wald.

Doch was für eine Region verbirgt sich überhaupt hinter dem Namen Galizien? Es tauchte 1772 erstmalig als Königreich “Galizien und Lodomerien” auf und gehörte bis 1918 zur Habsburger Monarchie. Es war stark multiethnisch geprägt, das schlug sich auch in den Namensvielfalt der damaligen Hauptstadt Lemberg (heute: Lwiw)  nieder. Auf Ukrainisch Lwiw, auf Polnisch Lwów,  auf Russisch Lwow und auf Jiddisch Lemberik. Nach 1918 wurde Galizien zwischen Polen und der sowjetischen Ukraine aufgeteilt. 650.000 Juden lebten 1939 in Ostgalizien, etwa 85% von ihnen wurden während der Schoah ermordet. In manchen Städten Galiziens stellten Juden 1939 sogar die Mehrheit der Bevölkerung; im Gesamtdurchschnitt hatten sie einen Bevölkerungsanteil von 13 %.

5 sehenswerte Filme über die Vielfalt des Gedenkens an den Holocaust

Da ich nächste Woche vom 21. bis zum 25. März zum zweiten Mal in meinem Leben nach Oświęcim bzw. Auschwitz reise, habe ich mich wieder mehr mit dem Thema beschäftigt. Dabei bin ich auf viele neue Filme gestoßen, von denen ich euch fünf ans Herz legen möchte. Natürlich sind auch ältere Filme wie der neunstündige Shoah von Claude Lanzmann oder Pizza in Auschwitz (nur eine Stunde!) sehenswert.

Solltet ihr aber gerade gar keine Zeit und erst Recht keine neun Stunden haben, vertraut mir und schaut zumindest den ersten Film!

Erster Filmtipp: #uploading_holocaust

Der 2016 erschienene Film ist jetzt seit Januar endlich auf Youtube frei verfügbar. Dieses ziemlich coole Projekt hat keinerlei neues Material gedreht, sondern auf Youtube vorhandene Filme gesammelt und zusammengeschnitten. Das Material stammt von israelischen Schulklassen, die eine staatlich geförderte „Reise nach Polen“ unternommen haben. Diese Reise unternehmen jedes Jahr 30.000 israelische Schüler*innen zusammen mit ihren Lehrer*innen. So entstanden über die Jahre ca. 20.000 Youtube-Clips, die jetzt super spannende Einblicke in die Gefühle und Gedanken der Jugendlichen geben.

Sie fragen eine mit ihnen reisende Überlebende „Warum seid ihr nicht geflohen?“ und bekommen darauf eine seelenruhige, fast schon verständnisvolle, Antwort. Andere Jugendliche diskutieren mit ihren Freunden, dass es sie stört, dass sie beim Besuch der Gedenkstätte Majdanek keine Betroffenheit bei sich spüren.

Zusätzlich zum Film gibt es ein gleichnamiges Online-Bildungsangebot. Hier konnten deutscher Schüler*innen Fragen wie „Haben Israelis immer noch Vorurteile gegen uns?“ stellen und erhielten eine Antwort aus Israel.