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Hätte Stalin bei McDonalds gegessen?

Falls ihr euch gerade fragt, ob ich mein Hirn jetzt völlig zerstört habe: Ich kann eure Sorge verstehen! Ich befinde mich allerdings in vollem Besitz meiner geistigen Kräfte.. Allerdings stellte ich mir diese Frage nachdem ich auf Twitter dieses Bild sah:

Die Recherche zur Bildherkunft ergab zunächst einmal, dass es erstmalig 2015 von der Dailymail veröffentlicht wurde. Auch dort kam bereits die Frage auf „What would the REAL Stalin say?“. Sie bezogen sich allerdings vor allem auf den Preis der Touri-Schnappschüsse mit Lenin und Stalin Darstellern in Moskau.

Doch was ist jetzt mit dem echten Stalin und seinen Pommes?

Ein Freund gesunder und ausgewogener Ernährung war Stalin definitiv nicht. Da er aus Georgien stammte, hielt mit ihm die sehr reichhaltige georgische Küche Einzug im Kreml. Auch die von Völlerei geprägten Abendessen in seiner Datscha in Kunzewo wurden berühmt. Der exzessive Alkoholkonsum während der Essen soll dazu geführt haben, dass sich sein späterer Nachfolger Chruschtschow eingenässt und der jugoslawische Diktator Tito sich in seinen Ärmel übergeben hat. 2013 wurde auch der nach seinem Tod angefertigte Obduktionsbericht öffentlich, der ihm eine Trinkerleber bescheinigte. In kulinarischen Gesichtspunkten, war Stalin also durchaus kompatibel zu McDonalds.

Stalin liebte amerikanische Filme und Autos

Doch wie sah sein Verhältnis zum amerikanischen Lifestyle aus, den McDonalds ja durchaus auch verkörpert? Als Indiz möchte ich hier seinen exzessiven Filmkonsum heranziehen. Er ließ sich häufig Kinofilme in seinen Heimkinos vorführen. Alle seine Wohnsitze wurden mit jeweils einem Kinoraum ausgestattet. Und dort liefen vor allem amerikanische Filme, die dem normalen Sowjetbürger als „westliche Propaganda“ verboten waren. Stalin profierte hier von Goebbels privater Filmsammlung, die russischen Truppen bei der Befreiung Berlins in die Hände fiel. Ein Funfact auf den ich bei der Recherche für diesen Artikel stieß: Stalin setzte ein KGB Mordkommando auf John Wayne an, da er sich antikommunistisch geäußert hatte. Neben dem amerikanischen Film bewunderte Stalin auch die US-Autos. Er schwörte auf geräumige und stark motorisierte Packard Zwölfzylinder.

Dem American Way of Life war Stalin also durchaus zugeneigt. Also lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte: Er hätte McDonalds garantiert eine Chance gegeben. Es hätte nur niemand erfahren, da er sein Privatleben sehr geheim hielt. Auch dominierten Illustrationen statt Fotos seine Außendarstellung, da er seinen Alterungsprozess nicht öffentlich zeigen wollte.

Was hinderte Stalin nun am realen BigMac-Konsum?

Es war schlicht die politische Gesamtlage und die Expansiongeschichte von McDonalds. Im Jahr 1940 gegründet, folgten die ersten Filiale außerhalb der USA erst 1967 in Kanada und Puerto Rico. Da war Stalin bereits 14 Jahre tot. Der erste sowjetische Staatschef, der mit McDonalds in Kontakt gekommen sein könnte war Leonid Breschnew 1973 bei seinem Deutschland Besuch beim damaligen Bundeskanzler Willy Brandt in Bonn. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits McDonalds-Filialen in Deutschland, die erste hatte 1971 in München eröffnet. (Leider konnte ich nicht herausfinden, wann die erste in Bonn eröffnete.) Spätestens bei seinem USA-Besuch, einen Monat später, könnte Breschnew mit McDonalds in Kontakt gekommen sein. Auch er dürfte, aufgrund seines Lebenswandels, dem Fastfood nicht abgeneigt gewesen sein.

Schlussendlich war es 1990 Gorbatschow, der den ersten McDonalds in die damals noch bestehende Sowjetunion holte.

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