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Das Leiden Neufundlands im Ersten Weltkrieg – Beaumont-Hamel Newfoundland Memorial Park

Nachdem ich vor zwei Wochen das britische Denkmal in Thiepval vorgestellt habe, möchte ich mich diese Woche mit einem kanadischen Denkmal befassen. Es ist das Beaumont-Hamel Newfoundland Memorial, das an die fast vollständige Auslöschung des einzigen neufundländischen Regiments im Ersten Weltkrieg erinnert. Auch auf die wechselvolle Geschichte Neufundlands wird eingegangen. Es gehört neben dem kanadischen Denkmal in Vimy zu den einzigen beiden Orten außerhalb Kanadas, die als „national historic sites“ in die kanadische Denkmalliste eingetragen sind. Das Denkmal von Neufundland befindet sich übrigens nur wenige Minuten Fahrt von Thiepval entfernt.

Im Ersten Weltkrieg war Neufundland, ebenso wie Kanada, ein eigenständiges Dominion des britischen Empire. Trotz der geringen Einwohnerzahl von nur 240.000 Menschen, stellte Neufundland ein eigenes Regiment auf. Am ersten Tag der Schlacht an der Somme sollte dieses Regiment die zweite Angriffswelle im Frontabschnitt Beaumont-Hamel stellen. Hierfür standen 22 Offiziere und 780 Soldaten bereit. Die erste Angriffswelle britischer Soldaten wurde sofort vom Maschinengewehr-Sperrfeuer der gut ausgebauten deutschen Stellungen gestoppt. Der mehrtätige Artilleriebeschuss, zur Vorbereitung der Offensive, hatte keine Wirkung gehabt. In diese tödliche Falle lief nun auch das neufundländische Regiment. Am Ende des Tages waren alle 22 Offiziere und 658 Soldaten tot.

Nach dem Kriegsende 1918 stürzte Neufundland in eine Krise. Es hatte hohe Kriegsschulden und der Verlust einer ganzen Generation junger Männer traf das Land hart. Die Wirtschaftskrise 1929 führte das Land an den Rand des Zusammenbruchs. Ab 1934 fiel es auf den Status einer Kronkolonie zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte 1949 die Vereinigung mit Kanada. Neufundland war nun eine kanadische Provinz.

Aufgrund dieser Geschichte zählt das Denkmal in Beaumot-Hamel zu den kanadischen Denkmälern und wird vom Department of Veterans Affairs betrieben. Ebenso wie in Vimy, werden hier kostenlose zweisprachige (Englisch-Französisch) Führungen angeboten. Die Führungen werden im Rahmen eines ‘Student Guide’ Programms von kanadischen Studenten geleitet, die dafür vier Monate nach Frankreich kommen. Das Denkmal wird jährlich von etwa 230.000 Menschen besucht.

Öffnungszeiten des Besucherzentrums:

Dienstag bis Sonntag: 9 bis 17 Uhr

Montag: 11 bis 17 Uhr

Weitere Informationen für den Besuch: http://www.veterans.gc.ca/eng/remembrance/memorials/overseas/first-world-war/france/BeaumontHamel/visitor-information

Ein virtueller Rundgang über das Gelände ist hier möglich: http://www.veterans.gc.ca/eng/remembrance/memorials/overseas/first-world-war/france/virtual-tours

Blick auf das zerfurchte ehemalige Schlachtfeld. Am rechten Bildrand sind Danger Tree und Y Ravine Cemetery zu erkennen.

Sehenswürdigkeiten auf dem Gelände des Memorial Parks

 

Karibu Denkmal mit Gedenktafel

Zentraler Ort des Parks ist ein kleiner Hügel auf dem eine Karibu Plastik aus Bronze steht. Unterhalb des Karibus befindet sich eine Gedenktafel mit den Namen aller 820 neufundländischen Soldaten, die kein bekanntes Grab haben. Hier finden sich auch die Namen derer, die im Dienste der (Handels-)Marine starben.

Tafel mit den Namen der vermissten neufundländischen Soldaten

Minenkrater Hawthorne Ridge Redoubt

Im Bereich des heutigen Kraters befand sich eine stark befestigte deutsche Stellung. Zur Vorbereitung des Angriffs am 1. Juli 1916 wurde das Gebiet untertunnelt und mit Sprengstoff gefüllte Kammern, unterhalb der deutschen Linien, errichtet. Kurz vor Beginn des Angriffs wurden sie gesprengt und hinterließen einen Krater von 40 Metern Durchmesser und 15 Metern Tiefe. Die deutschen Soldaten wurden in diesem Abschnitt in großer Zahl getötet und verschüttet.

Blick auf den Krater

Danger Tree

Dieser tote Baum fungierte als Landmarke auf dem Schlachtfeld. Ursprünglich handelte es sich um einen Pflaumenbaum, der durch die anhaltenden Kampfhandlungen seine Äste und Blätter verloren hatte. Er markiert die Tiefe des maximalen Vorstoßes der britischen und neufundländischen Truppen. Der heute sichtbare Danger Tree ist eine Replik des alten Baums.

Danger Tree
Blick in Richtung Danger Tree und Y Ravine Cemetery

Schützengräben

Auf dem gesamten Gelände sind die originalen deutschen und britischen Schützengräben erhalten geblieben.

Stacheldraht Halterungen

 

 Friedhöfe auf dem Gelände des Memorial Parks

Auf dem Gelände befinden sich drei Friedhöfe, die von der Commonwealth War Graves Commission (CWGC) betreut werden:

  • Hawthorn Ridge Cemetery No. 2 (214 Gräber, 191 britische und 23 neufundländische)
  • Hunter’s Cemetery (46 Gräber, nur britische)
  • Y Ravine Cemetery (366 Gräber, darunter 328 britische und 38 neufundländische)

51st Highland Division Statue

Die Statue eines schottischen Soldaten erinnert an die schlussendliche Eroberung von Beaumont-Hamel durch die 51st Highland Division im November 1916. Als Vorlage für die Figur des Soldaten diente Major Bob Rowan der Glasgow Highlanders. Das Denkmal trägt die gälische Inschrift „La a’Blair s’math n Cairdean“. Frei übersetzt bedeutet sie „Am Tag der Schlacht sind Freunde gut“.

29th British Division Memorial

Direkt am Eingang des Parks befindet sich ein schlichtes Denkmal für die zwei britischen Brigaden, die ebenfalls auf dem Gelände kämpften.

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Published inAusstellungenGeschichte(n)

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