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PokémonGo Mythen unter der Lupe

Gestern waren meine Freundin und ich gemütlich Abendessen in der Stadt und unser Heimweg führte über die momentan berühmteste Brücke Düsseldorfs.

Ein Passant nimmt auf der Girardet-Brücke einen Selfie auf
Ein Passant nimmt auf der Girardet-Brücke einen Selfie auf

Die Stadt Düsseldorf entschied kürzlich dem Pokémon Go Hype nachzugeben und sie, zumindest zeitweise, für den Autoverkehr zu sperren. Grund dafür, ist die Beliebtheit bei Pokémon Go Spielern, da sich an allen vier Ecken der Brücke Pokestops befinden und diese permanent mit Lockmodulen versehen werden Lockmodule locken wilde Pokémon in die nähere Umgebung der Pokestops. Sinn der Spiels ist das Fangen von ebenjenen kleinen Monstern. Wir haben uns auch dort niedergelassen um ein wenig zu spielen. Nebenbei habe ich die Anwesenden beobachtet.

Wann man sich auf der Brücke aufhält, erscheinen praktisch im Sekundentakt. Pokémon um einen herum. Man kommt kaum hinterher sie alle zu fangen. Dies führt dazu, dass man viele Erfahrungspunkte sammelt und schnell Level aufsteigt. Soweit zum Spielsystem. Ich möchte mich jetzt daran machem, die von der Community postulierten Mythen zu dekonstruieren.

Mythos 1: Bewegung an der frischen Luft

Wird auf der Kö ad absurdum geführt, da man sich nur zwischen den Pokestops aufhalten muss, um permanent Pokémon zu fangen. Die dazu nötigen Pokebälle bekommt man ebenfalls aus den Pokestops. So sitzen nun die Spieler mit ausreichend Proviant, Campingstuhl und Powerbank herum und erfreuen sich einzig der frischen Luft. Von Bewegung war nicht viel zu sehen.

Mythos 2: Soziale Interaktion

Wie soll hier soziale Interaktion möglich sein? Die Menschen starren, aufgrund der vielen Pokémon, nonstop auf ihr Display und sind beschäftigt. Die Umgebung wird kaum beachtet und jeder bleibt für sich. Ausgenommen davon sind natürlich Gruppen die gemeinsam dorthin kommen. Aber auch diese bleiben dann unter sich. Einzig wenn seltene Pokémon erscheinen wird kurz der Name des Pokémon gerufen, damit andere Spieler Bescheid wissen. Auch als eine Frau mit Kinderwagen sich den Weg durch die Menge bahnte, wurde kurz der Nachbar angestoßen, um ihn auf seine Umgebung hinzuweisen.

Als wir nach der Kö noch eine Arena, in einem Park im Düsseldorfer Süden besuchten, um dort zu kämpfen, trafen wir auch auf zwei weitere stumme Spieler. Hier zeigte sich das Bild wie auf der Kö, man bleibt für sich und geht einfach stumm weiter.

Mythos 3: Miteinander verschiedenartiger Menschen

Von außen betrachtet mag es toll wirken, wenn unterschiedlichste Menschen sich gemeinsam an einem Ort aufhalten, um ein Spiel zu spielen. Jedoch spielt jeder das Spiel für sich und Kooperation ist nicht notwendig. Der Aufenthalt geschieht nur aus egoistischen Gründen. Zwar steht der Anzugträger mit Aktentasche neben dem Manga Fan mit buntgefärbten Haaren, aber es ist einfach nur ein Nebeneinander. Sie stehen schlicht nebeneinander, weil sie ihr eigenes Ziel hier am Besten verfolgen können. So kommt es, dass sich hier auch Menschen mit T-Shirts der sehr populären Rechtsrock Band Skrewdriver und bekannte Düsseldorfer Neonazis wie Uwe H. komplett unbehelligt aufhalten können.

Hinzu kommt, innerhalb der sich langsam um Mike Pernox organisierenden Düsseldorfer Spieler Community,  ein latenter Sexismus, gegenüber der unterrepräsentierten Frauen. Zwar würde ich das allgemeine Geschlechterverhältnis der Spieler auf der Brücke als ausgewogen bezeichnen, jedoch kippt es stark innerhalb der organisierten Spieler. So wurde in Pernox Gegenwart über “das eine geile Weib, dass momentan alle angraben” gesprochen. Auch entwickelten sich Verschwörungstheorien, denen von der Rheinischen Post auch noch Raum eingeräumt wird. Hier zeigt sich, dass die sozial inkompetente Nerd Community, die über das Internet möglicherweise Luftangriffe ordert, auch nicht sozialer wird, wenn sie sich aus ihren vier Wänden auf die Straße bewegt.

 

 

Published inDigitale WirtschaftPolitik

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